Wärmespeicher

Temperaturschichtung (thermische Schichtung)

Definition

Temperaturschichtung ist die natürliche Schichtung des Wassers in einem Speicher nach Temperatur: Heißes Wasser hat eine geringere Dichte und sammelt sich oben, kühleres Wasser bleibt unten. Ein gut geschichteter Speicher liefert oben nutzbares Warmwasser und führt sein kühlstes Wasser vom Boden dem Kollektor oder der Wärmepumpe zu – das steigert die Effizienz des Gesamtsystems um 10–20 % gegenüber einem vollständig durchmischten Speicher.

Warum die Schichtung wichtig ist

Ein Speicher ist nicht einfach ein Eimer mit warmem Wasser – er ist eine Temperaturleiter. Jeder angeschlossene Verbraucher und Erzeuger bevorzugt eine andere Sprosse:

  • Zapfstellen und Heizkreise entnehmen aus dem heißen oberen Bereich.
  • Solarkollektoren arbeiten am effizientesten, wenn ihnen möglichst kaltes Wasser zugeführt wird, denn der Kollektorwirkungsgrad sinkt mit steigender Eintrittstemperatur.
  • Wärmepumpen erreichen ihren besten COP, wenn sie die kühlere mittlere Zone laden, statt gegen einen bereits heißen Speicher zu arbeiten.

Zerstört man die Schichtung – durch Einströmungen mit hoher Geschwindigkeit oder schlecht platzierte Anschlüsse –, verschlechtert sich alles gleichzeitig: Der Kollektor läuft heißer und verschenkt Ertrag, die Wärmepumpe arbeitet gegen eine höhere Verflüssigungstemperatur, und am Hahn kommt nur lauwarmes Wasser, obwohl der Speicher reichlich Energie enthält.

So schützt die Speicherkonstruktion die Schichtung

  1. Hohe, schlanke Geometrie. Verhältnisse von Höhe zu Durchmesser von 2,5:1 oder mehr geben den Schichten Raum, sich auszubilden.
  2. Diffusoren / Prallbleche an den Einlässen verlangsamen das einströmende Wasser, sodass es in die zu seiner Temperatur passende Schicht gleitet, statt den Speicher zu verwirbeln.
  3. Richtige Anschlusshöhen. Solar-Wärmetauscher sitzen unten, Kessel- oder Wärmepumpen-Wärmetauscher auf mittlerer Höhe, die Trinkwarmwasser-Entnahme ganz oben.
  4. Innenliegende Rohrwendel-Wärmetauscher übertragen Wärme, ohne die Volumina physisch zu vermischen.
  5. Schichtladelanzen nach Thermosiphon-Prinzip in fortschrittlichen Speichern führen das aufgeheizte Wasser nach oben auf die Höhe, die seiner Dichte entspricht.

Messung: Warum zwei Speicher mit gleichem Volumen unterschiedlich leisten

Normen für Solarspeicher (EN 12977-3) prüfen, wie gut ein Speicher Schichten aufbaut und hält. In der Praxis kann ein geschichteter 300-L-Speicher mehr nutzbares 45-°C-Wasser liefern als ein durchmischter 400-L-Speicher – deshalb spezifizieren anspruchsvolle Solar- und Wärmepumpenanlagen schichtungsoptimierte Speicher statt des günstigsten Behälters mit dem passenden Volumen.

Häufig gestellte Fragen

Bleibt die Schichtung erhalten, wenn die Umwälzpumpe läuft?

Ja, wenn die Strömungsgeschwindigkeiten an den Anschlüssen konstruktiv niedrig gehalten werden (Diffusoren, großzügige Anschlussdurchmesser). Zerstört wird die Schichtung durch strahlartige Einströmungen, nicht durch die Zirkulation an sich.

Ist ein geschichteter Speicher auch für Wärmepumpen relevant oder nur für Solar?

Für beides. Wird der Verflüssiger der Wärmepumpe aus einer kühleren Schicht gespeist, sinkt die Verflüssigungstemperatur und der COP steigt; Solarkreise profitieren noch stärker, weil der Kollektorwirkungsgrad sehr empfindlich auf die Eintrittstemperatur reagiert.

Quellen & weiterführende Literatur

Über den Autor

Technik-Team von Solimpeks

Speicherentwicklung & -produktion