Wärmepumpen

SG Ready (Smart Grid Ready)

Definition

SG Ready (Smart Grid Ready) ist eine standardisierte Steuerschnittstelle für Wärmepumpen, die der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) 2012 definiert hat. Zwei Schaltkontakte kodieren vier Betriebszustände – von einer vorübergehenden Sperre bis zum erzwungenen Betrieb – und ermöglichen es Netzbetreibern und Heim-Energiemanagern, den Wärmepumpenbetrieb in Zeiten mit günstigem oder überschüssigem Strom zu verlagern. Die BEG-Förderung in Deutschland verlangt eine netzdienliche Fähigkeit dieser Art.

Was bedeutet das SG-Ready-Label?

SG Ready ist ein Zertifizierungslabel des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), das 2012 gemeinsam mit führenden Herstellern eingeführt wurde. Es bestätigt, dass eine Wärmepumpe eine standardisierte Steuerschnittstelle bereitstellt: zwei potentialfreie Schaltkontakte, deren Kombinationen vier definierte Betriebszustände auswählen.

Das Konzept ist bewusst einfach gehalten – schlichte Relaislogik statt eines Datenprotokolls –, und genau deshalb hat es sich in der Branche verbreitet. Jedes Energiemanagementsystem, jeder PV-Wechselrichter und jeder Rundsteuerempfänger eines Netzbetreibers, der ein Relais schließen kann, kann jede SG-Ready-Wärmepumpe steuern, unabhängig von der Marke.

Wie funktionieren die vier SG-Ready-Betriebszustände?

Die beiden Kontakte bilden einen Binärcode, und jedes zertifizierte Gerät interpretiert ihn identisch:

ZustandKontakteBedeutung
1 – Sperre1:0Betrieb für einen begrenzten Zeitraum pausiert; die Wärmeversorgung muss gesichert bleiben
2 – Normal0:0Effizienter Automatikbetrieb (Standard)
3 – Einschaltempfehlung0:1Günstiger oder überschüssiger Strom verfügbar: Sollwerte anheben, Speicher laden
4 – Anlaufbefehl1:1Das Gerät wird zum Laufen aufgefordert, innerhalb seiner Schutzgrenzen

Zustand 1 spiegelt die klassischen deutschen EVU-Sperrtarife wider, die höchstens drei Sperrzeiten von je zwei Stunden pro Tag erlaubten – die Wärmeversorgung des Gebäudes darf nie gefährdet werden. In der Praxis am wichtigsten ist Zustand 3: Die Regelung hebt typischerweise die Sollwerte von Pufferspeicher und Warmwasser um 5–10 K an, um den günstigen Strom aufzunehmen.

Warum verlangen Förderungen und Netzregeln SG Ready?

Die BEG-Heizungsförderung in Deutschland (KfW-Programm 458) fördert nur Wärmepumpen mit netzdienlicher Schnittstelle, und SG Ready ist die anerkannte Standardumsetzung. Parallel behandelt § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes neue Wärmepumpen als steuerbare Verbrauchseinrichtungen: Der Netzbetreiber darf sie kurzzeitig auf eine garantierte Mindestleistung von 4,2 kW herunterregeln – nie vollständig abschalten –, und der Eigentümer erhält dafür reduzierte Netzentgelte.

Der Grund ist die schiere Größenordnung. Die EHPA zählte allein 2025 2,88 Millionen in Europa verkaufte Wärmepumpen (+13 %), und Millionen von Verdichtern, die mit dem Wetter schalten, sind entweder ein Netzproblem oder – koordiniert über Schnittstellen wie SG Ready – eine Netzressource.

Wie erhöht SG Ready den PV-Eigenverbrauch?

Ein Heim-Energiemanager beobachtet den PV-Überschuss und schließt den Kontakt für Zustand 3, sobald die Einspeisung beginnt. Die Wärmepumpe überheizt dann gezielt ihren Wärmespeicher: Ein 300-Liter-Speicher, der um 10 K angehoben wird, speichert etwa 3,5 kWh Wärme – Speicherkapazität zu einem Bruchteil der Batteriekosten pro kWh. Abends verdrängt die gespeicherte Wärme Netzstrom.

Die Kombination ist dort am stärksten, wo Erzeugung und Wärme zusammentreffen: Ein Feld aus PVT-Hybridkollektoren erzeugt den Überschussstrom und wärmt zugleich Trinkwarmwasser vor, und das SG-Ready-Signal legt den Verdichterlauf genau auf die Zeit, in der das Dach produziert.

Wird SG Ready auch außerhalb Deutschlands verwendet?

Ja – die Schnittstelle hat sich mit Wärmepumpen für den deutschen Markt verbreitet und wird heute in Mittel- und Nordeuropa häufig spezifiziert; Wärmepumpen-Ausschreibungen nennen sie zunehmend ausdrücklich. Das geplante neu skalierte EU-Energielabel für Heizgeräte fügt ein Piktogramm zur Smart-Readiness hinzu (Konsultation im Januar 2026 abgeschlossen; prüfen Sie den aktuellen Verabschiedungsstand). Digitale Protokolle wie EEBUS bieten eine feinere Steuerung – Leistungsmodulation in Watt statt vier grober Zustände –, ergänzen aber die Relaisschnittstelle nur, statt sie zu ersetzen; sie bleibt der kleinste gemeinsame Nenner, den jedes Gerät versteht.

Häufig gestellte Fragen

Ist SG Ready für Wärmepumpen verpflichtend?

Es gibt keine EU-weite gesetzliche Pflicht, aber die BEG-Förderung in Deutschland verlangt für geförderte Wärmepumpen eine netzdienliche Fähigkeit, und die deutschen Netzregeln verlangen, dass neue Geräte steuerbar sind. Kommerziell ist SG Ready heute in weiten Teilen Europas ein Standard-Spezifikationspunkt.

Kann der Netzbetreiber meine Wärmepumpe über SG Ready vollständig abschalten?

Nein. Zustand 1 pausiert den Betrieb nur für begrenzte Zeiträume, und die Wärmeversorgung muss gesichert bleiben; nach den deutschen Regeln des § 14a darf der Netzbetreiber den Verbrauch nur auf eine garantierte Mindestleistung herunterregeln, nicht trennen. Der Komfortschutz bleibt beim Regler der Wärmepumpe.

Brauche ich SG Ready, um meinen Solar-PV-Überschuss zum Heizen zu nutzen?

Es ist der einfachste bewährte Weg: Der Wechselrichter oder Energiemanager schließt den Kontakt für die Einschaltempfehlung, und die Wärmepumpe lädt ihren Speicher mit Überschussstrom. Ohne SG Ready brauchen Sie herstellerspezifische digitale Integrationen, die nicht jede Kombination aus Wechselrichter und Wärmepumpe unterstützt.

Was ist der Unterschied zwischen SG Ready und der Steuerung nach § 14a EnWG?

SG Ready ist ein freiwilliger Schnittstellenstandard der Branche, der festlegt, wie eine Wärmepumpe Signale empfängt; § 14a ist der deutsche Rechtsrahmen, der festlegt, wann ein Netzbetreiber die Leistung steuerbarer Geräte reduzieren darf und welche Entgeltreduzierungen der Eigentümer erhält. In der Praxis kommt der Steuerbefehl nach § 14a oft über die SG-Ready-Kontakte an.

Quellen & weiterführende Literatur

Über den Autor

Wärmepumpen-Entwicklung